Die hier vorgestellten Karten des 16.-19.Jahrhunderts zeigen nicht nur die Entwicklung Betzdorfs vom bloßen Markierungsort an der Mündung der Hellermündung zum lokalen  Zentrum, sondern verdeutlichen auch die immensen Fortschritte der Vermessungskunde und Kartographie. Sie sind Beleg für die dauerhafte Wechselwirkung von Lebensraum und Kartenbild, zeigen, wie sich der Mensch mit der Abbildung des Raumes in Karten diesen Schritt für Schritt eroberte und schließlich gestaltete. 
1555 Caspar Vopelius: Betzdorp
Kaspar Vopels Rheinlaufkarte aus dem Jahre 1555 wurde als Holzschnitt angefertigt und in fünf Holzstöcken gedruckt. Das einzig erhaltene Exemplar ist -wohl vom Besitzer - sehr behutsam koloriert worden. Allerdings zeigen sich Anzeichen der Papierzersetzung (die dunklen Flächen) aufgrund basischer Kupferacetate in der Kolorierung.
Schon 1558 erschien eine Neuausgabe der Karte. Eine dritte Auflage wurde 1560 erstellt. Auch von dieser ist nur ein Exemplar bekannt.
Auch auf dem Exemplar der dritten Auflage finden wir Betzdorp.
Die heutige Seltenheit der Karten sagt wenig über die damalige Verbreitung. In ihrer Zeit waren Vopels Karten wohl sehr bekannt und sie übten auf die damaligen Kartographen ernormen Einfluß aus, bestimmten sie doch die Rheinkartographie der nächsten 150 Jahre. Die Karte diente - oft ungenannt - als Vorlage für Werke von Gerard de Jode, Theodor de Bry, Matthias Quad, Jacob von der Heyden und Wolfgang Kilian.

 

1569 Gerard de Jode, Betzdorf
Die Rheinkarte von Gerad de Jode (*1509 Nimwegen - +1591 Antwerpen) aus dem Jahr 1569 ist der erste Nachstich der Vopel'schen Karte und verweist auch auf diese. Es handelt sich hierbei um einen Einblattdruck, der später in den Atlas de Jodes übernommen wurde. Dessen erste Auflage erschien 1578, eine zweite 1593. Ihr Titel lautet: Tractus Rheni prima , secunda et tertia tabula. Das Format war: 132 cm x 38 cm     Die Abbildung entstammt der von Klaus Stopp herausgegebenen Serie monumentaler Rheinlaufkarten. Dem Faksimile diente die Ausgabe von 1578 als Vorlage.
Auch auf dieser Karte finden wir also Betzdorf, das mithin in drei großen Kartenwerken jener Zeit genannt war. Die Erwähnung in S'Grootens Atlas (siehe unten) ist mithin nicht dessen Weitblick zuzuschreiben, sondern der einfachen Tatsache, daß der Ort - wohl vor allem wegen der Kapelle, die wir in Jodes Karte notiert sehen - der markanteste Punkt nächst Freusburg war.
1573 Sgrooten: Betzdorff
Diese Karte galt bisher als die gemeinhin erste mit einer Erwähnung Betzdorfs. Wenn dies nun auch als überholt gelten darf, so bleibt die Karte doch selbst von Interesse.
In diesem ersten systematischen Kartenwerk über das Territorium des Heiligen Römischen Reichs - dem Brüsseler Atlas von Sgrooten aus dem Jahre 1573 - ist  Betzdorf verzeichnet gewesen. Koch (1978)1 zeigte dies wohl als erster in der heimatkundlichen Literatur. Bei dem von Koch gezeigten Ausschnitt findet sich die Eintragung "Beytzdorff". Auf einer anderen dieser Karten ist der nebenstehende Ausschnitt mit der korrekten Bezeichnung "Betzdorf" zu finden. 
Christian Sgrooten (*um 1520/25 als Sohn des Stadtschreibers in Sonsbeck – +1603/08 in Kalkar)2 wurde 1557 als Kartograph des spanischen Königs Phillip II., des Regenten der Habsburg-Burgundischen Niederlande, angestellt, lebte aber weiter in Kalkar. Seine Handzeichnungen wurden in dem 37 großformatige Manuskriptkarten umfassenden Brüsseler Atlas von 1573 gesammelt, dessen Manuskriptseiten 1959 faksimiliert wurden3. Eine zweite verbesserte und erweiterte Fassung wurde 1594 abgeliefert (Madrider Atlas).
Beide Arbeiten waren von den Habsburgern in Auftrag gegeben worden, um für militärische Aktivitäten in Deutschland vorbereitet zu sein. Da sie nicht veröffentlicht wurden,  hatten sie keine direkten Auswirkungen auf die damalige Kartenproduktion. 
1646 Th. v.d. Waye: Betzdorp
Zwischen Freusperg und Wissen führt Theodoricus von der Waye hier einzig Betzdorp - und zwar mit dem Symbol einer Kapelle - aufgeführt. Die Karte ist allerdings in unserer Region immer noch reichlich ungenau (so mündet die Heller hier nördlich von Freusburg).  Für längere Zeit verschwindet nun Betzdorf von den überregionalen Karten, was nicht weiter verwundern kann, war doch der Ort nach dem Verfall der Kapelle seit den Zeiten der Reformation und mit der Zerstörung im 30-jährigen auf neun Häuser geschrumpft.
 So zeigt die von Nicolaus Sanson erarbeitete Karte vom Herzogtum Berg (erschienen 1673) lediglich Freusburg.
1743 W.C.Buna: Belsdorf
Die große Vestrovaldia-Karte 4) von Wilhelm C. Buna, (Kartograph in Frankfurt, erste Angaben für 1690, danach 1743 bzw. 1762 gestochen von A. Reinhardt, zu finden bey  H.L.Broenner, Franckfurt am Mayn) zeigt auch einige Orte aus unserer Region. Der Kupferstecher war etwas nachlässig und vergaß den t-Strich, so daß hier der Ortsname "Belsdorf" erscheint. Aber das ist nur eine der vielen Ungenauigkeiten dieser Karte, die eben noch nicht auf den Ergebnissen der jüngeren Vermessungskunde aufbauen konnte. Exakter Kartentitel: Vestrovaldia ad Septentrionem sita, von W.C. Buna: 
Karte 1: 'Exactissima totius Vederoviae late sumtae tabula...' Herzogtum Jülich, nördlicher Teil des Herzogtums Luxemburg, Erzbistum Köln, Herzogtum Berg, westlicher Teil des Herzogtums Westfalen. 
Karte 2 (östlich an Karte 1 anschließend): 'La Basse Partie du Cercle du Haut-Rhein.......dont le Landgraviat de Hesse, les Abbayes de Fulde et de Hirschfeld, avec les Seigneuries de Wetteravie et une Partie de Westerwald.' 
1762   "Ohngefehrer Grundriß des Amts Freusburg" (LHA Koblenz, Best. 702, Nr., 492)  
1772 Düntzfeld: Belsdorf
Wie der eine Kartograph vom anderen abkupferte, läßt sich gut an Johann Friedrich von Düntzfelds "Carte von denen Wiedischen und Nieder Isenburgischen Landen mit den
 
daran gräntzenden Landen, Ortschaften und Flüssen" erkennen, die 1772 geschaffen wurde. Auch hier wird wieder "Belsdorf" notiert.
1797 Schmitt: Betzdorf
Schmitt'schen Karte von Südwestdeutschland, Maßstab ca. 1:57.600 in 198 Blättern
Aufnahmen des k.u.k. Generalquartiermeisterstabes unter Leitung des Generalmajor Johann Heinrich von Schmitt.4
Karte ist nach Westen orientiert. Das Original der handkolorierten Karte liegt im Kriegsarchiv Wien.
Reproduktionen dieser Karten sind beim Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz erhältlich
 
1803 Trott: Bezdorf Die "General Karte der Reichs-Graffschaft SaynAltenkirchen" von Trott aus dem Jahre 1803, die in Frankfurt bei Chr. Hermann erschien, geht zurück auf Vorarbeiten aus dem Jahre 1788 des seit 1749 in Altenkirchen nachgewiesenen Ingenieurleutnant Johann Christoph Röger. Neben Bezdorf, werden getrennt der Struthof, der Imhäuser Hof, Hohenbezdorf,  Bahnhof (eigentlich Bannhof), Lasdorf und Bruch  ausgewiesen. Ein Neudruck der Karte erschien 1969 in Siegen (hrsg. Wilhelm Güthling)
1805 Eversmann: Bezdorf  (NEU)

Auf einer Karte der Grafschaften Sayn-Altenkirchen, brandenburgischen Anteils, und Neuwied, erschienen im Verlage des Geographieinstituts Weimar, wird Bezdorf zwischen Alsdorf und Lahndorf aufgeführt.

Komplette Karte

 
1818 Tranchot: Betzdorf
Tranchot-Karte, im Original im   Maßstab 1:20.000 ausgeführt, hier Blatt 30rhh
Franz. Oberst Jean Joseph Tranchot fortgesetzt (1816-20) vom preußischen Generalmajor Friedrich Karl Ferdinand Freiherr von Müffling (1775-1851), Blatt etwa 1818/19 aufgenommen von Leutnant Baeyer.

Auf Befehl Napoleons erstellten Ingenieurgeographen der französischen Armee unter der Leitung des Oberst Jean Joseph Tranchot 1801 eine topographische Aufnahme der linksrheinischen Gebiete.
Nach dem Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs und dem Wiener Kongreß wurde die Arbeit von preußischen Topographen unter Oberst von Müffling erweitert.  Es entstand ein Kartenwerk von 264 Einzelblättern, das ursprünglich militärischen Zwecken diente,  heute aber eine wertvolle Quelle für die Verhältnisse zu Beginn des 19. Jh. darstellt. Natur-, Siedlungs-, Verkehrs- und Verwaltungsraum finden ihre Darstellung in detailreichen Karten.
Die Originale befinden sich in der Staatsbibliothek Berlin / Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Reproduktionen dieser Karten sind beim Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz erhältlich.
1831 Gemeindekarte
Gemeindekarte von Betzdorf / Bürgermeisterei Kirchen, aufgenommen von Geometer Metz. Aufgenommen im Maßstab 1:10.000.
Das Original befindet sich beim Katasteramt Wissen.
   
1831 Gemeindekarte, Flur I
Gemeindekarte von Betzdorf, Flur I, angefertigt im Frühjahr 1831 durch den Gehilfen Becker. Maßstab 1:1250

 
1832 Becker
Die Lithographie von Fr. Becker zeigte den "Kreis Altenkirchen im Regierungsbezirk Coblenz" im Maßstab 1: 100.00. Hier waren neben der Stadt Altenkirchen und dem Flecken Freusburg 165 Dörfer aufgeführt, wozu auch Betzdorf und Hochbetzdorf nebst Bruchen gehörte. Außerdem wird der Struthof gezeigt und wohl  erstmalig die "Fabricke". (Quelle: Manfred Hermanns - Landkreis Altenkirchen, 1969 S. 48)   
1875 Dieser handgezeichnete Situationsplan von Betzdorf und Hohenbetzdorf im Maßstab 1:5000 aus dem Landeshauptarchiv in Koblenz zeigt uns die raschen Schritte der Entwicklung im ersten Jahrzehnt nach dem Eisenbahnanschluß im Jahre 1861.  
1901 Preußische Landesaufnahme
Königlich preußische Landesaufnahme 1897-99, herausgeg. 1901, Maßstab 1:25.000, Blatt 3040 Betzdorf,
aufgenommen durch Topograph Steinberg.
Einige Jahre nach der Reichsgründung, genauer gesagt 1875, wurde die Königlich Preußische Landesaufnahme gebildet. Zu den
Hauptaufgaben gehörte die topographische Aufnahme im Maßstab 1 : 25.000 und die entsprechende kartographische Bearbeitung nebst Veröffentlichung.
 

Einen Überblick über "Alte Karten und Burgherrlichkeit" im Siegtal vermittelt Gabriel Busch (Im Spiegel der Sieg, Siegburg, 1979, S. 70-105). Wilhelm Güthling informiert über "Siegen und das Siegerland in den ersten gedruckten Karten" (Siegerland, 1969, S. 65-71).

1) Siehe hierzu: Koch - Junge Stadt.(I)., S. 10 und Koch - Junge Stadt... (II), S.9f.
2) Andere Schreibweisen: S'grooten, S'Grooten, Sgrothen, Schrot, Schrott.
3) Mortensen, Hans und Arend Lang [Hrsg.]: Die Karten deutscher Länder im Brüsseler Atlas des Christian s'Grooten, Göttingen 1959, Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse ; 3. Folge, Nr. 44
4)
141 cm x 106 cm, Maßstab 1:210.000
5) Siehe hierzu: Die Schmitt'sche Karte von Südwestdeutschland : eine bemerkenswerte Kartierung des bayerischen Raumes aus dem 18. Jahrhundert / Rüdiger Finsterwalder. - Sonderdr.. - München : Bayer. Landesvermessungsamt, 1974. - 12 S. : graph. Darst